Was macht WaSt - Walter Sturm?

Walter Sturm beschäftigt sich schon lange Zeit sehr intensiv mit den bekannten und auch weniger bekannten Malern. Selbst richtig gemalt hat er aber erst ab Anfang des Jahres 2000. Damals begann er mit einem Malstudium bei Paul Pollock.
 
Paul Pollock verstand es, das sehr intensive Studium der Farben und der Farbbehandlung mit den philosophischen Aspekten aus dem Werk Rudolf Steiners, insbesondere der "Philosophie der Freiheit" und den Ausführungen über das "Wesen der Farben" zu verbinden unter Einbeziehung der Farbenlehre Goethes sowie der Maler Philipp Otto Runge, Paul Klee, Robert Delaunay u. a..
 
Ein Schlüsselerlebnis ergab sich im Jahr 2003 bei der Durcharbeitung des Buches 1 Anthroposophie und Malerei - Gespräche mit 17 KÜnstlern von Andreas Mäckler. Im Gespräch mit Hans Hermann (ab Seite 244), der 14 Jahre am Goetheanum in Dornach (CH) von 1972 bis 1986 Mitglied des Hochschulkollegiums als Leiter der Sektion für bildende Künste war, äußert sich Hans Hermann zur mehr "impressionistischen" und zur mehr "expressionistischen" Kunstausübung von der Anthroposophie verpflichteten Künstlern. Er geht davon aus, daß der mehr figurativ arbeitende Künstler im Sinne des Goetheanismus einem "impressionistischen" Impuls folgt (S. 253/254). Dann führt er aus, daß Rudolf Steiner zwar wenige, aber wesentliche Hinweise im Vortrag über das Sinnlich-Übersinnliche und seine Verwirklichung durch die Kunst für die Künstler gegeben hat, die Ihren Schwerpunkt mehr im (nichtgegenständlichen) "Expressionismus" haben.
 
Hans Hermann (S 255): Ich fasse das dort Gesagte im wesentlichen kurz zusammen. Steiner geht davon aus, daß in jedem Menschen ein brodelndes visionäres Leben tätig ist (das Unterbewußtsein). Dieses darf aber nicht in die Denkregion gelangen, sonst wird das Denken krank. Normalerweise reguliert der heutige Mensch diesen Umstand mit dem Bilden von Begriffen, mit denen dieses heraufbrandende Visionäre zum Erblassen gebracht wird, nicht so aber der Künstler.... ... zur abschließenden Beantwortung Ihrer Frage ..., warum in meinen Bildern keine Wesenheiten zu sehen seien (Figürliches, Engel oder dgl. - Anmerkung WaSt). Etwas wird ja durch meine Darlegung von "Impressionismus" und "Expressionismus" schon begreifbar geworden sein. Vielleicht wird es ganz selbstverständlich, wenn Sie sich klar machen, daß es sich bei dem, was ich erstrebe, um Geistiges handelt, was sonst in meiner Seele verborgen bliebe. Da ist keine Natur und keine Gegenständlichkeit anzutreffen. In der Bemühung, diesem Visionären ein äußeres Bild zu zeigen, erzähle ich Farbgeschichten, in welchen die Farbe selber Inhalt der Malerei ist.... Warum soll ich Engel wie Menschen mit Flügeln malen, wenn ich ihre Spuren in den Taten und Leiden des Lichts, in den Farben selber ertaste? Der Prozeß ist mir wichtiger als das Resultat.
 
Und nun zu diesem Malprozeß selbst (S258):
 
Wenn ich den Vorgang versuche zu beschreiben, wird sichtbar, was ich vertrete. Die ersten Dinge, welchen ich bei einem Malvorgang begegne, sind Pinsel, Farbe und Fläche. Was ich mit diesen Utensilien beginne, ist, ein Inneres, noch nicht Sichtbares mittels Pinsel und Farbe auf der Fläche ins Sichtbare zu bringen. Ist dies geschehen, vielleicht durch einen Farbfleck auf der weißen Fläche, so kann ich diesen als geworden betrachten, was mich gleichsam dazu aufruft, ihm durch einen weiteren Akt des Tuns das noch nicht Gewordene ins Sichtbare bringend zuzuordnen und zwar so, daß zwischen diesen beiden eine Steigerung bewirkt wird. Um dies zu erreichen, bedarf es, daß wir zwei verschiedene Qualitäten beachten. Einmal das Tun und dann das Wahrnehmen des Gewordenen mittels der vom Denken begleiteten Wahrnehmung zur Intuition. Diese erlaubt mir, sie in völliger Freiheit zu interpretieren und ohne Vorstellung und Gedanken durch reine Äußerungen des Astralleibes (Astralleib = Seelenkonfiguration - Anm. WaSt) im Tun das noch nicht Gewordene ins sinnlichsittlich Sichtbare zu bringen. Wir brauchen dazu also drei Dinge, das Denken, das Wahrnehmen und das Tun. Das vom Denken begleitete Wahrnehmen soll durch die Intuition seine Antwort erhalten. Dazu ist notwendig, daß wir mit unserem Denken keine Urteile bilden, sondern nur helfen, die Qualitäten des Objekts bewußt und erlebbar zu machen. Etwa es ist zu groß, zu dunkel, zu rot, zu warm usw. Also Wahrnehmungen, die offenlassende Hinweise auf den nächsten Schritt, auf das Tun geben. Die sich ereignende Intuition zeichnet sich immer dadurch aus, daß sie mich das Objekt aus der Bedeutung, welches es in der Ganzheit hat, verstehen läßt, nie als vereinzeltes. Ich gehe bis zum Eintreffen der Intuition einen ähnlichen Weg wie der Wissenschaftler. Nur, daß ich im Intuitionsmoment keinen Begriff bilde, sondern die mit Phantasie befrachtete Intuition in einem subjektiven, nur für mich möglichen Bild erscheinen lasse. Da zeichnet sich das Freiheitsmoment oder der Spieltrieb, wie Schiller es nennt, ab, in welchem ich wahrhaft Mensch bin.
 
Hans Hermanns Kunstauffassung deckt sich vollständig mit der von Walter Sturm. Deshalb können diese Ausführungen verdeutlichen, aus welcher Quelle Walter Sturms Malerei schöpft. Er versucht, stets mit der Intuition gegenwärtig zu sein unter Ausschließung eines Vorstellungshaften. Dabei nimmt er sich bei seinen Bildschöpfungen durchaus die Freiheit, in der spielerischen Ausführung evtl. auftauchenden Figürlichkeiten in beschränktem Maße den Weg zur Erscheinung zu ebnen. Das hat dann aber nichts mit der figürlichen Realisation von Engeln oder sonstigen Geistwesen zu tun, eher mitunter mit Elementarischem, dessen Findung jedoch der Phantasie des Betrachters überlassen bleibt.
 
Daß die geschilderte Art zu malen bei unterschiedlichen Persönlichkeiten durchaus auch zu ähnlichen Ergebnissen führen kann, läßt sich am 1987 entstandenen Bild von Hans Hermann im Vergleich mit einem Bild von Walter Sturm aus dem Jahr 2001, gemalt also drei Jahre bevor er Hans Hermanns Bild kannte, erkennen.

 
Hans Hermann
Klänge für Verborgenes
Lasurbinder auf grundierter Tafel
55 x 53 cm, 1987
  Walter Sturm
WVZ P01050
Lasurbinder auf Papier
H 23,5 B 22 cm, 2001

Im gleichen Buch 1 ist ein immens wichtiges und interessantes Interview mit dem 1989 verstorbenen Kulturphilosophen Diether Rudloff abgedruckt. Der Inhalt des Interviews ist heute nach über 20 Jahren aktueller denn je und WaSt ist der Auffassung, dass die Zeit reif ist für Diether Rudloff, insbesondere für die anthroposophisch orientierte Kunst, ganz gewiss aber für die Anthroposophische Gesellschaft und für die Anthroposophen.
Diether Rudloff spricht auch in "Unvollendete Schöpfung. Künstler im zwanzigsten Jahrhundert" vom Künstler als dem Schöpfer einer neuen Natur. Angeregt davon schuf WaSt die SenN-Bilder.

[Klick: Biographie Diether Rudloff]
[Klick: Text des Interviews]

1 Andreas Mäckler: Anthroposophie und Malerei, DuMont Taschenbuch Bd. 252, DuMont Buchverlag, Köln, 1990